
Gesamtnote · von 5,0
Power and Progress
Tausend Jahre Kampf um Technologie, Macht und Wohlstand
von Daron Acemoglu
Die beiden MIT-Ökonomen und späteren Nobelpreisträger zeigen an tausend Jahren Geschichte, dass technischer Fortschritt nicht automatisch breiten Wohlstand schafft — das entscheidet die Verteilung der Macht.
- Originaltitel
- Power and Progress: Our Thousand-Year Struggle Over Technology and Prosperity
- Erschienen
- 2023
- Verlag
- PublicAffairs
- Umfang
- 560 Seiten
- Originalsprache
- Englisch
- Genre
- Sachbuch
- Lesezeit Rezension
- 8 Min.
„Technologie schafft keinen gemeinsamen Wohlstand von selbst — wer von ihr profitiert, ist eine Frage der Macht, nicht des Schicksals.“
— Daron Acemoglu, Power and Progress
Worum es geht
Daron Acemoglu und Simon Johnson untersuchen, wie technischer Fortschritt seit dem Mittelalter Wohlstand verteilt hat. Ihre zentrale Beobachtung: Neue Technologie hob den Lebensstandard breiter Schichten nur dann, wenn gesellschaftliche und politische Kräfte das durchsetzten — sonst floss der Gewinn an eine schmale Elite.
Macht entscheidet, nicht die Technik
Das Buch widerlegt die Idee, Produktivitätsgewinne kämen automatisch allen zugute. Ob eine Erfindung Arbeit ergänzt oder verdrängt, hängt von Entscheidungen ab: wer forscht, wer investiert, wer profitiert. Machtüberschuss verzerrt diese Richtung systematisch.
Wirtschaft & Relevanz
Für die KI-Debatte ist das Argument unmittelbar einschlägig. Die Autoren warnen davor, KI vor allem als Werkzeug der Kostensenkung und Kontrolle zu bauen, statt als Mittel, das menschliche Fähigkeiten erweitert. Sie plädieren für eine bewusste Lenkung von Innovation und Marktmacht.
Einordnung
Ein anspruchsvolles, materialreiches Werk mit klarer politischer Stoßrichtung. Die Lektüre verlangt Geduld, doch sie liefert eines der fundiertesten Gegengewichte zum Technikoptimismus der KI-Ära.
Was überzeugt
- Breite historische Belege über tausend Jahre
- Klare These gegen den Fortschrittsautomatismus
- Direkte Übertragung auf die aktuelle KI-Debatte
- Konkrete politische Handlungsoptionen
Was stört
- Stellenweise akademisch dicht und lang
- Die Reformvorschläge bleiben teils allgemein
Für wen geeignet
Für alle, die verstehen wollen, warum Automatisierung Wohlstand schaffen oder konzentrieren kann — je nach politischen Weichenstellungen.
Fazit
Ein gewichtiges, quellengesättigtes Werk, das die populäre Erzählung vom Fortschritt als Selbstläufer demontiert. Die Argumentation ist dicht und manchmal sperrig, aber für die Debatte um KI und Arbeit hochrelevant.
Zur Person
Türkisch-amerikanischer Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger
Türkisch-amerikanisch · 1967-09-03
Einer der einflussreichsten Ökonomen der Gegenwart, der erforscht, wie Institutionen und Technologie über Wohlstand und Ungleichheit entscheiden.
Weitere Werke


