
Gesamtnote · von 5,0
Power and Prediction
Die disruptive Ökonomie der künstlichen Intelligenz
von Ajay Agrawal
Der Folgeband zu „Prediction Machines" verschiebt den Blick von einzelnen Anwendungen auf den Umbau ganzer Systeme: KI entfaltet ihre Wirkung erst, wenn Unternehmen ihre Abläufe von Grund auf neu denken.
- Originaltitel
- Power and Prediction: The Disruptive Economics of Artificial Intelligence
- Erschienen
- 2022
- Verlag
- Harvard Business Review Press
- Umfang
- 288 Seiten
- Originalsprache
- Englisch
- Genre
- Wirtschaftssachbuch
- Lesezeit Rezension
- 8 Min.
„Der wahre Umbruch beginnt nicht mit besseren Vorhersagen, sondern mit den Entscheidungen, die diese Vorhersagen plötzlich möglich machen.“
— Ajay Agrawal, Power and Prediction
Worum es geht
Die drei Ökonomen knüpfen an ihren Bestseller „Prediction Machines" an, in dem sie KI als drastische Verbilligung von Vorhersagen beschrieben hatten. „Power and Prediction" geht einen Schritt weiter und fragt, warum diese billigen Vorhersagen die Wirtschaft bislang weniger umgewälzt haben als erwartet. Die Antwort lautet: Einzelne Anwendungen ändern wenig, solange die umgebenden Prozesse, Regeln und Verantwortlichkeiten gleich bleiben. Erst der Umbau ganzer Systeme setzt das Potenzial frei.
Vom Punkt zum System
Die Autoren trennen drei Stufen voneinander: punktuelle Lösungen, die nur eine bestehende Aufgabe verbessern, anwendungsbezogene Lösungen und schließlich Systemlösungen, die Entscheidungswege völlig neu ordnen. Vorhersagen werden wertvoll, weil sie neue Entscheidungen ermöglichen, die zuvor zu riskant oder zu teuer waren. Diese Verkettung von Vorhersage und Entscheidung ist das gedankliche Zentrum des Buches.
Wirtschaft & Relevanz
Für Unternehmen liefert das Buch eine nüchterne Erklärung für die oft enttäuschende Rendite früher KI-Projekte. Wer nur einzelne Schritte automatisiert, erntet kleine Effizienzgewinne; wer Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen neu zuschneidet, kann Märkte verschieben. Die Verfasser zeigen, warum diese Übergangsphase langwierig ist und wo Macht und Wertschöpfung sich dabei verlagern.
Einordnung
Das Buch überzeugt durch seine ökonomische Disziplin und den Verzicht auf Hype. Es bleibt argumentativ stringent, fordert aber Geduld, weil das Kernkonzept mehrfach durchgespielt wird. Als analytischer Rahmen für die mittelfristige Wirkung von KI auf Branchen gehört es zu den durchdachtesten Beiträgen seiner Art.
Was überzeugt
- Klare Unterscheidung zwischen punktueller Anwendung und Systemwandel
- Ökonomisch fundiert statt technikverliebt
- Viele anschauliche Fallbeispiele aus der Praxis
Was stört
- Setzt Kenntnis des Vorgängerbandes teilweise voraus
- Stellenweise repetitiv im Kernargument
Für wen geeignet
Für Führungskräfte, Strateginnen und Strategen sowie Leserinnen und Leser, die verstehen wollen, warum KI Branchen langsamer und dann plötzlich verändert.
Fazit
Eine kluge ökonomische Analyse, die erklärt, warum die großen Effekte der KI auf sich warten lassen und welche Voraussetzungen sie brauchen. Stärker im Argument als im erzählerischen Schwung.
Zur Person
Ajay Agrawal ist Professor an der Rotman School (University of Toronto) und Gründer des Creative Destruction Lab. Er erforscht die Ökonomie der künstlichen Intelligenz und erklärt KI als drastischen Preisverfall für Vorhersagen.
Weitere Werke


